Musikalische Komödie nach John Gay

Bayerisch von Johannes Reitmeier
Musik von Roger Boggasch
Choreographie Astrid Vosberg

In den Jahren 2008-2010 wagte die Festspielgemeinschaft das Experiment Musical. In buten Farben und der Mode der 20er Jahre verwandelte sich der Ludwigsberg in ein rostig rotes Hafenviertel.

Inhalt:
England, die Goldenen Zwanziger. Der Bettlerkönig Peachum ruft wie jeden Tag seine Armee zum Morgenappell und schickt sie zum organisierten Betteln in unterschiedliche Stadtteile. Seine Adjutanten Filch und Klau müssen ihm über Einnahmen, fähige und unfähige Mitarbeiter Bericht erstatten, danach bitten alle drei gemeinsam in einem Morgenchoral den Herrn um seine Gnade in Form voller Kassen. Umgehend testet Peachum seine Bettelkinder auf Tauglichkeit – er will sie hinauswerfen, falls sie ihr Soll nicht erfüllen.

Seine Frau erschüttert ihn mit der Nachricht von den Heiratsabsichten ihrer gemeinsamen Tochter Polly. Dies widerspricht jeglichen „Moralvorstellungen“ der in wilder Ehe lebenden Peachums. Polly kommt hinzu und scheint tatsächlich fest entschlossen, auch gegen den Widerstand der Eltern ihren Kopf durchzusetzen und den berüchtigten Räuber Mackie Messer Macheath zu ehelichen.

Inzwischen kann die Räuberbande von Macheath einen großen Fang machen: Sie überfällt den Club der „Schwarzen Witwen“ auf deren Tour von einer Beerdigung zur nächsten. Ihre reiche Beute präsentiert die Bande sofort stolz ihrem Hauptmann, dessen großspuriger Auftritt sie in helle Aufregung versetzt. Macheath kommen die ergaunerten Pretiosen gerade recht, denn er verkündet, noch an diesem Tag gleich zwei Frauen zum Traualtar führen zu wollen. Dabei benötigt er die Unterstützung seiner Bande, die er umgehend mit den Vorbereitungen beauftragt.

Die bis über beide Ohren verliebte Polly wird inzwischen Opfer des gnadenlosen Spotts ihrer jüngeren Schwestern Lilly und Laurie, die vor Neid förmlich zerplatzen. Die Eltern trennen die Streithähne und Mrs. Peachum hat eine Idee, wie sie das Unheil abwenden könnte.

Die Hochzeitsvorbereitungen laufen auf vollen Touren, dennoch fehlt der Bande der nötige Ernst für eine solche Zeremonie. Sie wollen nicht glauben, dass ihr Hauptmann nun wirklich ein Hausmann werden möchte. Macheath kommt hinzu und kurz darauf schwebt Polly, die erste Braut, ein. Beide besingen ihr Liebesglück. Doch Gefahr ist im Anmarsch: Lucy Lockit, die Tochter des Polizeichefs, erscheint – auch sie im Brautkleid und wild entschlossen, heute noch Macheaths Frau zu werden. Die beiden Frauen in getrennte Zimmer verfrachtet gelingt es Macheath, vorerst ungeschoren den Schauplatz zu verlassen.

Mrs. Peachum setzt mittlerweile ihre Idee in die Tat um: Sie hat den Club der Schwarzen Witwen zum Kaffee geladen und erbittet Rat von den in schwierigsten Fällen erfahrenen Gattenmörderinnen. Lösung ist schnell zur Hand: Als regelmäßiger Besucher der LaLuna-Bar hat Macheath bereits mehrmals seine Empfänglichkeit für weibliche Reize gezeigt. An dieser Schwachstelle soll der Halunke gepackt werden.

Nun kommt ein wichtiger Mann ins Spiel: Der selbstverliebte Polizeichef Lockit träumt schon lange von der Ergreifung des steckbrieflich gesuchten Verbrechers Macheath – zum Einen, weil er eine satte Belohnung einstreichen könnte und zum Anderen, weil eine Beförderung seinem Ego selbstverständlich schmeicheln würde. Umso begeisterter ist er von der durch Peachums Adjutanten angekündigten Aussicht, den Räuber endlich stellen zu können. Er sieht sich schon als Staatsminister der Justiz.

Mrs. Peachum nimmt die Sache höchstpersönlich in die Hand und bittet Suki Tawdry samt ihrer ganzen weiblichen Belegschaft um konspirative Mithilfe. Besonders drei Mädchen haben Grund zur Rache an Macheath, wurden sie doch von ihm sitzen gelassen. Dolly und Bella sind Feier und Flamme, doch Jenny hegt Zweifel; sie liebt ihn immer noch. Sie lässt sich trotzdem auf den Handel ein und empfängt Macheath, der sich vor seinen Bräuten hierher geflüchtet hat, mit einem nostalgischen Liebeslied. Mit K.o.-Tropfen wird der Gigolo außer Gefecht gesetzt. Gehässig stimmen die Huren ein Lied an.

Derweilen singen Peachum und Lockit, die sich die Belohnung teilen wollen, in Aussicht des baldigen Erfolgs ein Loblied auf ihre Freundschaft und das Geld. Mittlerweile kann die Bande die ungeduldigen Bräute nicht mehr im Zaum halten und es kommt, was kommen muss: Polly und Lucy entdecken Macheaths Betrug. Triumphierend erscheint Familie Peachum auf der Bildfläche und verkündet die Gefangennahme des Bräutigams. Wutentbrannt stürzen die Frauen ins Gefängnis. Dort weidet sich Lockit am Anblick des eingesperrten Macheath, der vergeblich an die einstige Partnerschaft appelliert. Die beiden eifersüchtigen Frauen machen die Situation nicht besser, da sie erst sich, dann Macheath an den Hals gehen. Polly rauscht verärgert davon, doch Macheath kann Lucy um den Finger wickeln und mit ihrer Hilfe aus dem Gefängnis fliehen.

Peachum und seine Familie genießen in Erwartung der hohen Belohnung das Leben in vollen Zügen und schwelgen in Luxus. Da zerstört Lockit die Idylle: völlig aufgelöst informiert er sie von der Flucht Macheaths. Als ob das nicht genug wäre, wendet sich Lockits eigene Tochter nun gegen ihn und weigert sich ab sofort, jegliches elterliche Gebot weiter zu befolgen. Sie ist sich sicher, dass Macheath sie und ihre gemeinsame Tochter bald holen wird.

Trotz des fehlgeschlagenen ersten Versuches geben die Schwarzen Witwen nicht auf und schmieden einen neuen Plan. Diesmal haben sie auch die enttäuschte Polly auf ihrer Seite. Mrs. Peachum ist der Lage nicht mehr gewachsen und bedient sich in ihrer Verzweiflung sogar am Alkohol in der Hausapotheke. In der Bar fragt sich Jenny inzwischen, ob es richtig war, Macheath auszuliefern. Da der Geflüchtete nun selbst auftaucht, muss sie ihn beschwichtigen. Das gelingt und anlässlich der Versöhnung und Befreiung lädt Macheath seine Bande zum Feiern mit den Mädchen ein.

Nun versammeln sich nach und nach alle Rächer in der LaLuna-Bar: Polly und die Witwen; Peachum, der es nun im Alleingang versucht; Lockit und seine vertrottelten Polizisten und zuletzt Lucy, die mit ihrem Kind vergeblich gewartet hat. Macheath und Jenny laufen ihnen direkt in die Arme.
Sensationslüstern versammeln sich nun die Witwen zur bevorstehenden Hinrichtung. Dazu gesellen sich die verlassenen Frauen, Huren, Bettler und weiteres Volk. Macheath wird vorgeführt und die versammelten Damen zelebrieren den Abschied vom größten Herzensbrecher aller Zeiten. Lockit genießt seinen großen Moment und schon wird die Guillotine hereingebracht…